Bild: Methoden daily

2003-04-30

2003-05-12

Aus der Welt gleicher Augenhöhen: Drugcom.de

Suchtprävention des Jahres 1951 war das Produkt einer gefestigten Überzeugung. Fakten - im Dienste dieser Überzeugung - konnten bedenkenlos überzeichnet werden. Wer möchte, wird in grotesken 10 Minuten einen Einblick in dieses Konzept gewinnen können, das hier exemplarisch The Terrible Truth heissen soll.

Suchtprävention des Jahres 2001 heisst drugcom und dokumentiert, daß es einmal eine Zeit gab, in der die New Economy cool war. Selbst durch diese Epoche geschädigt, vermutete ich zuerst einen lokalen Laden zur Befriedigung des allgemeinen Drogenbedarfs, der es nicht mehr rechtzeitig zu drug.com geschafft hat. Selbiges kennt man vielleicht von dem Mainboard-Hersteller Asus, der lange Zeit auf die geliebte Seite asus.com verzichten musste und sich nun als asuscom.de in den bundesdeutschen Favoritenlisten festgebissen hat.

Drugcom.de ist ein Kind der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und startete nach Auskunft einer Pressemitteilung aus erwähntem Hause am 21.07.2001. Man kann diesen Text vielleicht in einer kommentierten Version ganz passabel darstellen, das System ist ja bekannt.

13.07.2001

www.drugcom.de -

Suchtprävention

-unter den Bedingungen der Prohibition -

online

-weil es alle machen-

und interaktiv

und weil sich keiner beschweren kann, dieses Wort halte nicht, was es verspreche. Haben Sie schon einmal Hühnereier gesehen, die nicht "biologisch" sind? Wie sähe ein nicht-biologisches Ei aus? Aussen Kalk, innen leer? Genauso verhält es sich mit "interaktiv". Wenn Sie mit dem interaktiven Mousecursor ein wenig herumspielen, ist das nicht weniger interaktiv als das Fernsehkanalwechseln mit der interaktiven Fernbedienung oder eben das suchtpräventieren auf drugcom.de.

Am 21.07.2001 geht das Internetprojekt zur Suchtprävention

zum Mitzählen: 2

der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung online

Mit "drugcom", dem neu entwickelten Internetprojekt zur Suchtprävention

zum Mitzählen: 3 - Die Tücken der Überschrift und der Unterüberschrift

, richtet sich die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) direkt an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 20 Jahren.

-weil es alle machen-

"drugcom" sucht die Kommunikation

DrogKomm (jaja, das Binnen-K ist unstatthaft) hätte vermutlich die halbe bibliophobe Klientel verschreckt.

mit den Jugendlichen dort, wo sie sich heute bevorzugt über für sie interessierende Themen informieren - nämlich im Internet.

Apropos Begriffsverwässerung: "Angeblich bis zu einer Million Deutsche Internet-süchtig"

Das Projekt geht zeitgleich mit der Love-Parade in Berlin am 21. Juli 2001 an den Start.

...also dann, wenn die Jugendlichen einmal nicht vor dem PC sitzen..

Inhaltlich

Den Begriff bis zum nächsten Kasten merken.

will das Projekt über Wirkungen, Risiken und Gefahren legaler und illegaler Drogen informieren.

Gemerkt? Inhaltlich informieren tun machen nur und sonst nur weisse Schimmel.

"drugcom" will Jugendliche aber vor allem anregen, sich mit dem eigenen Konsum von Zigaretten, Alkohol und illegalen Drogen

Welche Pharma-Lobby stand hier Pate, als die Valium-Fraktion sorgsam unterschlagen wurde?

auseinander zu setzen und eine kritische Haltung zu diesen Fragen zu entwickeln.

lies: "Wir entschuldigen uns ausdrücklich für die jahrelange Bombardierung der Zivilgesellschaft mit "keine Macht den Drogen" und bedauern die Opfer dieser Angriffe".

"Das Internetprojekt

Stimmt, diesen Begriff hätte man auch durchzählen lassen können.

‚drugcom‘ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist besonders geeignet, die Jugendlichen anzusprechen, die nach Informationen über Suchtmittel suchen oder bereits erste Erfahrungen mit legalen oder auch illegalen Drogen haben.

lies: "Wir haben nicht das Geld dazu, von den Drogen noch unbeleckte Kinder anzusprechen"

Altersgerecht können Jugendliche Informationen zu den einzelnen Suchtmitteln erhalten und ihren eigenen Konsum reflektieren. Junge Menschen müssen rechtzeitig erfahren, dass Suchtmittel keine Probleme lösen und dass es nicht ‚cool‘ ist, z.B. in der Woche zu funktionieren und sich am Wochenende mit Drogen auszutoben," erklärt Marion Caspers-Merk, Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergänzt mit diesem Projekt ihre bestehende Präventionsstrategie, zu der unterschiedlichste Maßnahmen für unterschiedliche Zielgruppen wie die primärpräventive Kampagne

lies: "inhaltsleere Panikmache"

"Kinder stark machen" sowie suchtmittelspezifische Angebote zu Tabak und Alkohol gehören. Sie reagiert mit diesem Ansatz auf aktuelle Entwicklungen, wie sie in der Repräsentativerhebung zu Einstellungen, Wissen und Verhalten 12 bis 25jähriger zu Drogen vorliegen1: Danach haben 92 Prozent der Jugendlichen Erfahrung mit Alkohol bzw. 69 Prozent mit Zigaretten, 27 Prozent der Befragten haben schon einmal illegale Drogen konsumiert. In spezifischen Jugendkulturen, etwa der Techno-Party-Szene, liegen diese Werte bei illegalen Substanzen noch deutlich höher (z.B. haben 68,6 Prozent der Befragten Erfahrung mit Cannabis; 49,1 Prozent mit Ecstasy)2.

"Diese Daten und Fakten müssen wir in einer erfolgreichen Strategie zur Suchtprävention

Angedenk der Thematik und der langen Suchtpräventions-Durststrecke in den letzten Absätzen entfällt hier eine Zählung.

berücksichtigen. Das Projekt ‚drugcom‘ setzt gerade an diesem Punkt an und spricht deshalb auch Jugendliche mit Konsumerfahrung an," erläutert Dr. Elisabeth

Wer jetzt lacht, zahlt in die Kalauer-Kasse!

Pott,

Ach weed umm, daß es kein Chance mehr gibt, der erste gewesen zu sein, der dies' nomen est stellenqualikatio entdeckt hat.

Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Zielsetzung des Projektes. Durch Chatangebote und eine Beratungsecke erhalten Jugendliche Gelegenheit zur persönlichen Kommunikation mit anderen und Fachleuten aus der Jugend- und Drogenarbeit.

Interaktiver Namenvergleichstest:

http://www.drugcom.de/site/drugabout/about_dcteam.php

http://www.delphi-gesellschaft.de/team.html

So können ihnen schnell und dennoch anonym

dies ist sachlich falsch, die geneigte Dr.Pott möge das Wort "pseudonym" verinnerlichen

Fragen beantwortet und Hilfen und Kontakte zu Beratungseinrichtungen angeboten werden," so Dr. Pott weiter.

Das Internetangebot besteht aus vier Hauptbereichen, die zusammengenommen eine jugendgerechte Mischung aus Information, Wissensvermittlung

Wie kann jemand, der nicht zwischen anonym und pseudonym differenziert, auf einmal zwischen Information und Wissensvermittlung unterscheiden?

und Unterhaltung darstellen:

DrugInfo

DrogInfo

animiert Jugendliche auf spielerische und interaktive

"interaktiv" ist eine Schutzbehauptung für die Unfähigkeit, Informationen nicht hinter 20 Buttons verstecken zu können.

Weise dazu, sich mit dem Thema Drogen und dem eigenen Konsumverhalten auseinander zu setzen. Dabei kann das eigene Wissen anhand verschiedener Multiple-Choice-Tests überprüft werden. Wichtige suchtpräventive Botschaften werden fachlich kompetent und ansprechend über die Testauswertung sowie ein ergänzendes Lexikon (druglex) vermittelt.

DrugTalk

DrogRede

bietet die Möglichkeit zum Chatten über die Themen Sucht und Drogen, aber auch über alles andere, was Jugendliche interessiert. Wer nicht chatten will oder in der persönlichen "Beratungsecke" gerade keinen Platz findet, kann seine Fragen auch per e-mail schicken und bekommt in kurzer Zeit eine Antwort.

Mit DrugWorks

DrogWerk

bietet "drugcom" eine Plattform für die Veröffentlichung von Projekten zur Suchtprävention, die als Anregung für neue Aktivitäten und Ideen stehen können. Auch Multiplikatoren für Suchtprävention werden hier praxisnahe Beispiele finden können, wie Jugendliche sich mit dem Thema kreativ auseinandersetzen.

Im Bereich Freestyle

Spannend ist hier der Stilbruch. Liegt es vielleicht daran, daß DrugFree belegt war?

Google-Suche vom 12.05.2003:

DrugInfo: 150000 Treffer
DrugTalk: 170 Treffer
DrugWorks: 85 Treffer
DrugFree: 8650 Treffer

gibt es eine Fülle von Angeboten aus jugendnahen Bereichen wie Musik-

12.05.2003: Die Seite http://www.drugcom.de/site/freestyle/music_dancecube/index.php?action=records spuckt folgendes aus:

Warning: Access denied for user: 'bzga@www.bzga.de' (Using password: NO) in
/usr/local2/www/drugcom/data/site/freestyle/music_dancecube/index.php on line 8

Warning: MySQL Connection Failed: Access denied for user: 'bzga@www.bzga.de' (Using password: NO) in /usr/local2/www/drugcom/data/site/freestyle/music_dancecube/index.php on line 8

Warning: mysql_result(): supplied argument is not a valid MySQL result resource in
/usr/local2/www/drugcom/data/site/freestyle/music_dancecube/index.php on line 11

Gleiche Fehlermeldungen bei:
http://www.drugcom.de/site/freestyle/music_dancecube/list.php?was=1
http://www.drugcom.de/site/freestyle/music_dancecube/list.php?was=2

Hellgrau auf Hellbraun: "Records, News und Stories werden bereitgestellt von der Geronimo-Verlag GmbH.

und Clubszene

Die gute Nachricht: Die Eingabemaske wird angezeigt:

http://www.drugcom.de/site/freestyle/event_dancecube/suche.php

Der Rest legt Zeugnis ab über die Berittene Rave-Democracy.

Warning: Access denied for user: 'bzga@www.bzga.de' (Using password: NO) in /usr/local2/www/drugcom/data/site/freestyle/event_dancecube/suche.php on line 5

Warning: MySQL Connection Failed: Access denied for user: 'bzga@www.bzga.de' (Using password: NO) in /usr/local2/www/drugcom/data/site/freestyle/event_dancecube/suche.php on line 5

Warning: mysql_num_rows(): supplied argument is not a valid MySQL result resource in /usr/local2/www/drugcom/data/site/freestyle/event_dancecube/suche.php on line 10

"Keine Parties gefunden" / "0 Parties gefunden"

Hellgrün auf Hell- und Dunkelgrün "Records, News und Stories werden bereitgestellt von der Geronimo-Verlag GmbH.

http://www.drugcom.de/site/freestyle/event_dancecube/detail.php?was=

ebenso :)

, Kino,

"Baustelle" - die neuesten filme, stars, news.

"Weitergehen! Hier gibt's nichts zu sehen. Jedenfalls noch nicht. Schau also bald mal wieder vorbei."

Trendsport

"Baustelle" -

"Weitergehen! Hier gibt's nichts zu sehen. Jedenfalls noch nicht. Schau also bald mal wieder vorbei."

oder Mode. Denn ein wichtiger Aspekt erfolgreicher Suchtprävention ist es, immer auch positive Alternativen zum Suchtmittelkonsum

Die endorphinausschüttende Wirkung von PHP-Fehlermeldungen konnte im Selbstversuch bisher nicht festgestellt werden.

aufzuzeigen und darzustellen, dass Spaß keineswegs an Drogen gebunden sein muss.

Fast richtig. Fehlender Inhalt stellt dar, daß man auch ohne Drogen keinen Spaß haben kann.

Zum Projektstart wird die Internetadresse www.drugcom.de über Anzeigenschaltungen in Jugend- und Szenemagazinen kommuniziert. Erste Projektinformationen liefert ein Flyer sowie eine Broschüre mit Hintergrundinformationen für MultiplikatorInnen, interessierte Fachöffentlichkeit und potentielle Sponsoren. Das Projekt hat zunächst eine Laufzeit von drei Jahren

Je schlechter das Projekt läuft, desto früher wird man positive Bilanzen ziehen.

und soll bei positiver Resonanz weiter ausgebaut werden.

Für das "weiter" sollte man einen Realitätsabgleich zwangsverordnen. Dadurch, daß die Resonanz in den Bezug auf Sponsoren gesetzt wird, kann man jetzt schon durch das Fehlen ebensolcher auf das "weitere Ausbauen" vorwärtsschließen. Meine Glaskugel flüstert mir, daß drugcom so erfolgreich sein wird, daß man hin zu neuen Ufern wird gehen können.

Eine projektbegleitende wissenschaftliche Evaluation soll vor allem die Inanspruchnahme und Akzeptanz durch die Zielgruppe prüfen und die weitere Entwicklung des Projektes steuern. Hierfür hat die Bundeszentrale mit der delphi-Gesellschaft

Also denen, die bereits in dem Projekt betroffen sind und die inhaltlichen Sandsäcke füllen.

für Forschung, Beratung und Projektentwicklung sowie der Agentur identität für Jugendmarketing

Im Übrigen nennt sich identität selbst nicht Agentur für Jugendmarketing, sondern Agentur für Markenkommunikation, MarCom in DrugSpeak sozusagen.

eine Projektgruppe geschaffen.

identität ist nicht länger in dieser Projektgruppe.

Vgl: http://www.drugcom.de/site/drugabout/about_main.php

Dass diese Änderung noch nicht lange her ist, sagt meine Glasgoogle-Cache.

[Vermutlich wird auch dieser Hinweis bald verschwinden]

In ihr sind unterschiedliche fachliche Qualitäten gebündelt, die die Sachkompetenz, Originalität und Attraktivität für ein jugendliches Publikum sicherstellen können.

Ich werde auch hier nicht darüber spekulieren, was passieren kann, wenn Menschen sich selbst evaluieren und diese Evaluation sogar noch Auswirkungen haben könnte.

"Ich wünsche der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einen guten Start mit ihrem neuen jugendgerechten und informativen Internetprojekt," bekräftigt die Drogenbeauftragte Marion Caspers-Merk. "Durch die zeitliche Koordinierung des Projektstarts mit der Love-Parade in Berlin kann gerade die Zielgruppe erreicht werden, die einer besonderen Ansprache bedarf. Denn es ist unstreitig erkennbar, dass eine große Zahl der Teilnehmer in der Techno-Party-Szene eine besondere Affinität zu Suchtmitteln hat und nur über wirklich moderne Formen der Kommunikation erreicht werden kann. Hier ist www.drugcom.de genau der richtige Ansatz."

Wissen Sie, was ein Sniffer ist? Nein, ich meine nicht die Netzwerktools wie ethereal, ich rede von Markenkommunikation.

Google hilft auch hier:

Suchanfrage: Sniffer Marketing ...

http://stud.fh-wedel.de/~wi3543/seminar_marketing.html

Marketingseminar im Sommersemester 2001
bei Prof. Dr. Ceyp

Bestandsaufnahme von Erfolgsfaktoren im E-Mail-Marketing

von
Fabian Riemer,

Unterpunkt 5.3:

Die Verwendung sogenannter "blank images" (sniffer) ermöglicht eine genauere Auswertung des Kundenverhaltens. Es kann festgestellt werden, wer wann und wie oft eine Nachricht öffnet, voraus gesetzt der Empfänger ist beim Lesen der E-Mail online.

Das ist natürlich alles nur ein Zufall und begründet sich vermutlich in der Wahl der HTML-Schmiede :)

www.drugcom.de/site/sniffer.swf

1) Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2001, Hrsg. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2001), (www.bzga.de/studien/index.html)

2) Tossmann, Peter (1998)

Interaktiver Namenvergleichstest, repetitiv.

http://www.drugcom.de/site/drugabout/about_dcteam.php

http://www.delphi-gesellschaft.de/team.html

Drogenaffinität Jugendlicher in der Techno-Party-Szene, in BZgA (Hrsg.): Prävention des Ecstasykonsums