Gerlinde Kaupa
Jens Spahn
Suchtprävention gerade bei Jugendlichen verstärken
Abstinenzorientierte Drogenpolitik darf kein Tabu sein
Anlässlich des Weltdrogentages erklären die Drogenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gerlinde Kaupa MdB, und der zuständige Berichterstatter, Jens Spahn MdB:
Die Bilanz hinsichtlich des Drogenkonsums bei Jugendlichen ist erschreckend. Dies zeigt der starke Anstieg von legalen Drogen bei Jugendlichen. Der Tabak- und Alkoholkonsum dieser Altersgruppe ist besorgniserregend. Das Einstiegsalter in diese Drogen sinkt in nicht hinnehmbarer Weise.
Insbesondere der steigende Verkauf von alkoholischen Mischgetränken, mit denen junge Menschen gezielt angesprochen werden sollen, spielt eine erhebliche Rolle beim Alkoholkonsum. Junge Menschen unterschätzen häufig den darin enthaltenen Alkoholanteil und können damit nicht umgehen. Auch hinsichtlich des in Mode gekommenen ritualisierten "Besäufnistrinkens" bei Jugendlichen ist hier die Getränkeindustrie zu Handlungsschritten aufgefordert
Besorgniserregend ist auch die steigende Zahl rauchender junger Mädchen. Gerade hinsichtlich der späteren Familienplanung und der steigenden Zahl tabakgeschädigter Neugeborener muss hier vermehrt Aufklärungsarbeit geleistet werden.
Nicht zu vernachlässigen ist die Bekämpfungs- und Aufklärungsarbeit in Bezug auf die synthetischen Drogen. Es ist erschreckend, dass die Hälfte der jungen Leute Erfahrungen mit Ecstacy, LSD und Amphetaminen hat und diese zu den neuen Trenddrogen werden. Deshalb muss die Aufklärung und Suchtprävention gerade im Freizeit- und Partybereich stark ausgeweitet werden. Was im Schulalltag in vielen Bundesländern schon hervorragend funktioniert, muss auch im Freizeitbereich geltend gemacht werden. Drogen werden nicht mehr unbedingt in der Schule konsumiert, sondern im außerschulischen Bereich. Eine wichtige Aufgabe ist daher die suchtpräventive Aufklärungsarbeit auf Parties, in Diskotheken, Clubs und Kneipen. Hier ist die gesamte Gesellschaft gefordert. Hier muss ein Umdenkungsprozess stattfinden.
Präventionsarbeit ist bei uns in Deutschland eine wichtige Säule der Drogenarbeit, doch muss von den verantwortlichen Regierungsstellen eingesehen werden, dass diese kein alleiniges Wundermittel ist. Längst hat die internationale Forschung bewiesen, dass das bezahlbare Angebot die Nachfrage bestimmt. Es ist daher wichtig, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wie Preis und Verfügbarkeit stets in eine sinnvolle und effektive Drogenpolitik miteinzubeziehen.
Sinnvolle Drogenpolitik bedeutet aber auch, dass abstinenzorientierte Drogenpolitik kein Tabu sein darf. Es führen viele Wege zu einem suchtfreien Leben. Eine unbegrenzte Substitution jedoch, wie sie häufig gefordert wird, hält die Abhängigkeit aufrecht und gibt den betroffen Menschen langfristig nicht die Chance auf ein selbstbestimmtes, eigenverantwortliches drogenfreies Leben. Reine akzeptanzorientierte Drogenpolitik, die die Abstinenz vollkommen ausklammert, gibt den Drogenabhängigen als wertvolles Individuum unserer Gesellschaft auf.